Wichtiges auf einen Blick:
- Retainer verhindern, dass sich deine Zähne nach der Zahnspange wieder zurückbewegen (das sogenannte Rezidiv)
- Es gibt zwei Grundtypen: einen festsitzenden Draht hinter den Frontzähnen oder eine herausnehmbare Schiene
- Die Kombi aus beiden Varianten gilt inzwischen als besonders zuverlässig
- Retention wird häufiger langfristig oder sogar lebenslang empfohlen, meist in stark reduzierter Form nach der Anfangsphase
- Regelmäßige Reinigung mit Munddusche und Interdentalbürsten beugt Karies und Zahnstein rund um den Retainer vor
Deine Zahnspange ist runter, das Ergebnis stimmt endlich. Und trotzdem ist die Behandlung noch nicht vorbei. Zähne haben ein ziemlich langes Gedächtnis: ohne Gegenmaßnahme wandern sie über Wochen oder Monate zurück in ihre alte Position. Genau hier kommt der Retainer ins Spiel, ein kleines, unauffälliges Gerät mit großer Wirkung. In diesem Artikel erfährst du, welche Retainer Arten es gibt, wie sich die Behandlung in den letzten Jahren verändert hat, und worauf du im Alltag achten solltest.
Was ist ein Retainer?
Ein Retainer ist ein kieferorthopädische Apparatur, die deine Zähne nach der aktiven Zahnkorrektur in ihrer neuen Position hält. Man nennt diese Behandlung Retention. Der Grund dafür liegt im Gewebe rund um die Zahnwurzel: Nach dem "Zahnumzug" durch die Spange braucht das Bindegewebe Zeit, um sich neu zu ordnen. Bis das passiert ist, ziehen elastische Fasern die Zähne wie ein Gummiband zurück in die Ausgangslage. Medizinner:innen sprechen dabei von einem Rezidiv. Retainer wirken in diesem Rückfall entgegen, entweder festsitzend mit einem dünnen Draht oder herausnehmbarer Schiene , bzw. Kunststoffplatte.
Festsitzender Retainer: der Dauerläufer
Beim festsitzenden Retainer, auch Lingual- Retainer genannt, klebt ein feiner Draht auf der Innenseite der Frontzähne, meist von Eckzahn zu Eckzahn. Er ist von außen unsichtbar und funktioniert rund um die Uhr.
Vorteile:
- Wirkt dauerhaft, ganz ohne eigenes Tun
- Von außen nicht sichtbar
- Kann nicht vergessen oder verloren werden
Nachteile:
- Erschwert das Putzen und Reinigen in den Zahnzwischenräumen
- Muss bei Ablösen zeitnah in der Praxis repariert werden
- Kann bei sehr harter Nahrung brechen oder sich lösen
Ein Punkt, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat: Immer mehr Praxen fertigen den Draht heute digital an. Statt einen klassischen Abdrucks wird ein Intraoral Scan gemacht, das Modell entsteht am Bildschirm und der Retainer wird im Labor passgenau gebogen oder gedruckt. Das Ergebnis ist oft präziser und der Termin in der Praxis kürzer.
Herausnehmbare Retainer: mehr Kontrolle, mehr Eigenverantwortung
Herausnehmbare Modelle eignen sich vor allem bei leichten Korrekturen oder als Ergänzung zum Draht. Es gibt zwei gängige Varianten:
Platten-Retainer ähneln einer losen Zahnspange: ein Kunststoffkörper mit Drahtelementen, der die Zähne umschließt, aber im Gegensatz zur aktiven Spange kein Druck mehr ausübt. Er hält die aktuelle Position.
Transparente Kunststoffschienen sehen aus wie Aligner und sind kaum zu erkennen. Sie werden heute in den meisten Praxen digital gefertigt. Ein Scan deiner Zähne wird direkt am Computer zur Schiene weiterverarbeitet und per 3D Druck oder Tiefziehverfahren hergestellt. Das spart einen Praxistermin und ist in der Regel sehr genau.
Vorteile:
- Lässt sich zum Essen und Zähne putzen rausnehmen
- Individuell in Form und teils Farbe
- Digitale Fertigung ermöglicht schnellen Ersatz bei Bedarf
Nachteile:
- Funktioniert nur, wenn du sie zuverlässig trägst
- Kann verloren oder vergessen werden
- Kunststoffschienen halten meist nur zwei Jahre und müssen dann erneuert werden
Die Kombination ist mittlerweile der Standard
Was sich gegenüber früheren Empfehlung verändert hat: Viele Kieferorthopäden:innen setzen heut nicht mehr auf ein einzelnes Modell, sondern kombinieren beide Systeme. Ein festsitzender Draht an den Frontzähnen sorgt für dauerhafte Stabilität an der empfindlichsten Stelle, eine herausnehmbare Schiene sichert den Rest des Zahnbogens und wird nach und nach seltener getragen. Diese Kombination gilt inzwischen als eine der zuverlässigsten Varianten, um ein Rezidiv zu vermeiden.
Wie lange muss ich einen Retainer tragen?
Die Fachwelt sieht das mittlerweile anders. Früher wurde Retention als Übergangsphase von ein bis zwei Jahren verstanden. Heute gehen viele Kieferorthopäden:innen davon aus, dass die Rückstelltendenz der Zähne nie ganz verschwindet, weil sich Kiefer und Gesicht durch Kau- und Sprechbewegungen sowie natürliche Alterungsprozesse ein Leben lang verändern. Deshalb wird heute eine langfristige oder lebenslängliche Retention empfohlen, oft in einer reduzierter Form. Wie genau dein persönlicher Zeitplan aussieht entscheidet deine behandelnde Praxis anhand deiner Ausgangsituation.
Pflege im Alltag
Bei herausnehmbaren Retainer reicht meist Wasser und eine weiche Bürste. Auf Zahnpasta solltest du wegen enthaltenen Schleifmittel verzichten. Die Kunststoffschiene auch nicht im heißen Wasser abkochen, da sich sonst die Schiene verformen kann.
Beim festsitzenden Draht ist die Interdentalbürste oder Munddusche fast schon Pflicht, weil die Zahnbürste den Bereich um den Draht herum nicht erreicht. Wird hier nicht genau gereinigt, sammeln sich dort Plaque und Zahnstein. Eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt ist bei festsitzenden Retainern auch sinnvoll.
Fazit
Ein Retainer ist kein notwendiges Übel nach der Zahnspangen-Behandlung, sondern der Teil, der das Ergebnis überhaupt erst dauerhaft macht. Ob festsitzend, herausnehmbar oder die Kombination aus beidem: Welches Modell zu dir passt, hängt von deiner Ausgangssituation und der Empfehlung deiner Praxis ab.
Mit der richtigen Reinigungsroutine, etwa einer Munddusche und Interdentalbürsten bei festsitzenden Modellen, lässt sich das Risiko für Karies und Zahnstein gut im Griff behalten.
FAQ
Ist ein Retainer wirklich notwendig?
In den meisten Fällen ja. Ohne Rentention bewegen sich deine Zähne innerhalb weniger Wochen oder Monate wieder zurück in die Richtung ihrer ursprünglichen Position. Die Zahnkorrektur würde dadurch teilweise oder ganz verloren gehen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für einen Retainer?
Bei gesetzlich Versicherten werden die Kosten für einen herausnehmbaren Retainer von der Krankenkasse in der Regel bis zu zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung übernommen. Festsitzende Retainer sind meist eine private Zusatzleistung. Am besten klärst du die genauen Konditionen direkt mit deiner Krankenkasse und Praxis.









